Boxing Track – Testride mit der BMW HP2 Sport
Zwei Wochen vor unserem Renntraining kam der Anruf von BMW: „Wir stellen euch die HP 2 Sport zum Test zur Verfügung“. Matthias und ich waren als Instruktoren zum Renntraining mit „Art Motor“ in Assen am 22.05.08 engagiert. Der Gedanke an diesen bayerischen Leckerbissen beschleunigte unseren Pulsschlag.
Wie verabredet stand das sportliche Kleinod am 20.05.08 abends bei der Redaktion. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön nach München! Auf unserem Weg in die Niederlande nahmen wir drei durchtrainierte Sportler mit.
Die BMW HP 2 Sport. Dazu unsere bewährten Trainingsracer, die Honda CBR 600 von Matthias und meine Kawasaki ZX-6RR. Assen begrüßte uns mit optimalen Bedingungen. Sonne, ein leichter angenehmer Wind und vor allen Dingen ein ausgebuchtes Training mit über 150 Teilnehmern.

In der Abendsonne stand sie also im Fahrerlager, die HP 2 Sport. Unsere Blickführung blieb ständig an den liebevollen und in edelster Verarbeitung dargestellten Details hängen. Angefangen von der feinsten Brembo-Bremsanlage in Verbindung mit dem bewährten BMW-ABS, über das blendfreie 2D-Dashboard (Informationen ohne Ende und mit Road bzw. Racemodus ausgestattet), bis hin zu den präzisen Alu-Frästeilen der Rastenanlage und den filigranen Schmiederädern. Dazu Carbonteile bis zum Abwinken. So ein Motorrad bekam man bisher nur beim Edeltuner. Oh Mann, die Bayern können nicht nur gutes Bier brauen.
Das wussten wir schon länger. Spätestens jetzt aber war klar; hier stand der sportlichste Rennboxer vor uns, der je das Haus BMW verlassen hat. Optisch ein Emotionbike, das sofort und gnadenlos ins Herz trifft. Kaum einer konnte sich im Fahrerlager dieser Faszination entziehen, und „unsere“ HP 2 Sport war ständig von Hobbyracern umlagert.
Wir konnten das Bike sowohl im Instruktor-Trainingsbetrieb, wie im freien Fahren der Gruppe „rot“ einsetzen – insgesamt gut 270 Kilometer. Dazu kamen anschließend noch rund 400 Km Autobahn und Landstraßeneinsatz. Aber dies nur am Rande. Uns kam es ja auf den Racetrack an. Der MotoGP Kurs von Assen ist bis auf wenige Ausnahmen, die schon trickreich sind, schnell, rund und flüssig zu fahren. Auch hier kommt es, wie meistens im richtigen Leben, auf die saubere Linie an, um richtig schnell unterwegs zu sein.
Die HP 2 Sport überzeugt von Anfang an mit einem satten Drehmoment und für einen Twin dieser Bauart überraschend direkter Gasannahme. Der Sound aus dem Originalauspuff – ein Traum. Dieses Teil hämmert dir mit unglaublicher Penetranz in deine Ohren: „Ich bin ein Racebike, vergiss das nicht!“. Beim Schalten kommt ein sehr angenehmes Gefühl auf. Sauber und fast schon zu soft rasten die Gänge ein. Beim Hochschalten kann der Schaltautomat genutzt werden (Schalten ohne Kupplung- oder Drosselklappenbetätigung). Dieses technische Feature erkennt den Schaltwunsch über einen Sensor im Schaltgestänge. Auf Wunsch liefert BMW für den Rennstreckenbetrieb eine Schaltumkehrung.
Entsprechend zackig ging es ums Eck, bis im wahrsten Sinne des Wortes die Ohrläppchen des Boxers den Asphalt streichelten. Dafür verantwortlich ist das Fahrwerk, welches vom Layout genau auf Sport angelegt ist und von edlen, voll einstellbaren Öhlins-Komponenten unterstützt wird. Zudem konnten wir die HP 2 Sport mit Metzeler-Racetec K3 testen, die an der BMW ausgezeichnet funktionierten. Das Lauf- und Verschleißbild dieser Reifen war am Ende des Tages sehr gleichmäßig. Sicher hätten uns die Pneus auch noch locker den kompletten nächsten Tag um den Kurs geführt. Dies war sicherlich auch mit ein Verdienst des guten Setups. Wir fuhren das Bike auf der Rennstrecke übrigens vorne wie hinten mit 2,0 bar Luftdruck (kalt). Dies gilt natürlich nicht für den Alltagsbetrieb.
Der Kardanantrieb arbeitet mit Lastwechseln, die trotz der Konstruktion erstaunlich minimal sind. Die Vorderradführung übernimmt die BMW-Telelever-Einheit, ebenfalls von Öhlins abgefedert. Man braucht schon zwei bis drei Runden, um sich an das etwas indifferente Telelever zu gewöhnen (das Feedback einer „normalen“ Gabel an einem Sportbike ist direkter und unmittelbarer), aber spätestens danach ist fahr- und schräglagentechnisch der Knoten geplatzt.

Wir mischten jedenfalls beim freien Fahren im Feld der Superbikes munter mit. Die HP 2 Sport vermittelt immer ein Gefühl von: „mit Sicherheit schnell unterwegs“. Ohne Frage ist dies ein Ergebnis der Gesamtrezeptur dieses Motorrades. Ein dickes Lob an die BMW-Köche, die uns dieses Sport-Menü der Extraklasse geschmort haben.
Ebenfalls sehr angenehm die Tatsache, dass die Verkleidung keine unangenehmen Verwirbelungen am Helm erzeugte. Dies spricht durchaus für eine wohlüberlegte und berechnete Aerodynamik, die sich an einer Durchschnittsgröße des Menschen von 175 cm orientiert. Die sportliche Ergonomie, sprich Sitzposition, hat gefallen. Diese ist natürlich auch individuell anpassbar (voll einstellbare Rasten und Stummellenker).
Text
Martin Spiecker
CIRCUIT
Fotos
Martin Spiecker
CIRCUIT
