Die Spreu vom Weizen trennen! – Oder was bedeutet Bremseffizienz?
Die Bremsleitung
In den meisten Fällen verbauen Hersteller serienmäßig Bremsleitungen aus Gummischläuchen, die sich bei einer höheren Belastung (Druck der Bremspumpe) weiten. Dass dies nicht zum optimalen Druckverhältnis beiträgt, kann sich jeder denken. Stahlflexleitungen oder Kevlarleitungen überzeugen da schon mehr und bringen den erzeugten Druck und das Bremsflüssigkeitsvolumen zuverlässig dort hin, wo es auch ankommen soll, nämlich bei den Bremszangen. Der Unterschied von Stahlflex- zu Kevlarleitungen liegt darin, dass Kevlar noch „einen Tick“ zäher und somit stabiler in der Ausdehnung ist. Allerdings ist dieses Material etwas anfälliger gegen Beschädigungen von außen. Zudem ist es nicht ganz so flexibel in der Verlegung und Fahrzeuganpassung.
Die Bremsflüssigkeit
DOT3, 4, 5, 5.1 sind die üblichen Kennzeichnungen für die spezifischen Eigenschaften einer Bremsflüssigkeit. Bremsflüssigkeit besteht in der Regel hauptsächlich aus Polyglykolverbindungen, vor allem den Monomethylethern und weiteren Bestandteilen in geringerer Konzentration. Der Siedepunkt beschreibt die Eigenschaften der versiegelten, neuen Bremsflüssigkeit. Der Nass-Siedepunkt definiert dabei die Eigenschaft am Ende des Lebenszyklus. Während der Benutzung wird somit der beschriebene Temperaturbereich vom Siedepunkt bis zum Nass-Siedepunkt beschritten.
Handelsübliche Bremsflüssigkeiten haben Siedetemperaturen von:
DOT 3 ~ +205°C Nass-Siedepunkt ~ +155°C
DOT 4 ~ +230°C Nass-Siedepunkt ~ +170°C
DOT 5.1 ~ +260°C Nass-Siedepunkt ~ +180°C
Beispiel: Brembo Racingbremsflüssigkeit LCF 600
DOT 4 Basis +316°C Nass-Siedepunkt +204°C
Da Bremsflüssigkeit hygroskopisch ist, nimmt sie Wasser auf, zum Beispiel aus der Luft. Das wird ihr oft als Nachteil ausgelegt, doch ist dieses Verhalten notwendig, um sicherzustellen, dass niemals Wasser in Tropfenform im Bremssystem vorkommt. Das aufgenommene Wasser wird dabei vollständig gelöst und somit eine Tropfenbildung verhindert. Freie Wassertropfen führen zu örtlicher Korrosion und würden bei niedrigen Temperaturen gefrieren sowie bei ca. +100°C verdampfen, was einen Totalausfall der Bremsanlage zur Folge hätte.
Als Ergebnis muss der Siedepunkt der Bremsflüssigkeit stets ausreichend hoch sein, da ansonsten durch Blasenbildung bei Erhitzung die Bremse ausfallen kann. Dieser Siedepunkt lässt sich mit einem handelsüblichen Messgerät leicht ermitteln.
Text
Thomas Nützl
TGP Racing
Fotos
Martin Spiecker | Brembo
CIRCUIT
