Die Spreu vom Weizen trennen! – Oder was bedeutet Bremseffizienz?
Die Bremsbeläge
Bremsbeläge gibt es viele auf dem Markt, jedoch nur wenige Hersteller. Es ist vielleicht vergleichbar mit Delikatessen und „No Name Produkten“, die beide aus gleicher Produktion stammen. Die Beläge – egal on Marke oder No Name – stammen von einem der wenigen Produzenten und werden unter verschiedenen Labels angeboten.
Das Wesentliche bei allen Belägen ist die Stabilität der Trägerplatte und die Fähigkeit, Hitze aufnehmen zu können sowie diese schnellstmöglich abzubauen. Dies jedoch nicht durch die Trägerplatte, da ansonsten die Bremsflüssigkeit zu heiß wird und diese dadurch ihre spezifischen Eigenschaften verliert, was wiederum das ganze System stört, bzw. kollabieren lässt.
Für den Rennsport sind am besten Beläge geeignet, die mit Carbonanteilen versehen sind und zusätzlich eine Art Coolfluid besitzen. Dies lässt die Temperatur schneller abbauen.
Die Trägerplatte und die Bremsflüssigkeit unterstützen die Eigenschaften des Coolfluid.
Ein guter Racingbremsbelag kann das bis ca. 2 mm vor der Trägerplatte. Bei den meisten Belägen ist es jedoch so, dass sie im Neuzustand sicher gut funktionieren, jedoch nach der Hälfte des Verschleißes mehr oder weniger stark nachlassen und Fading hervorrufen. Gute Beläge geben an die Scheibe Carbonfilamente ab, die sich auf der Scheibe niederlegen und eine hauchdünne Schicht bilden. Der Vorteil, man bremst fast auf gleichem Material, und Carbon hält definitiv mehr Hitze aus als Stahl. Somit trägt der Bremsbelag auch zur Lebensverlängerung der Scheibe bei. Das Bremsen grundsätzlich nicht ohne Verschleiß geht, sollte klar sein. Trotzdem sollte ein guter Belag eine gewisse Haltbarkeit bei gleichbleibender Performance vorweisen können, und genau dort trennt sich die Spreu vom Weizen.
Der Wärmehaushalt des Bremssystems hängt also wesentlich von den spezifischen Eigenschaften der Reibpaarung ab. Ist ein Belag zu hart, schädigt dieser auf Dauer die Scheibe. Ist er zu weich, dann setzt sich ein Schmierfilm auf der Scheibe nieder, der nicht wirklich Verzögerung bringt, da hier der Belag sozusagen auf seiner eigenen Körnung rollt. Es kommt also darauf an, ein homogenes ausgeglichenes System zu haben.
Ein weiterer Punkt, wie Beläge negativ das System beeinflussen können, ist, wenn sie sich weder in der waagerechten noch in der senkrechten Flucht abnutzen können. In diesen Fällen verkannten die Kolben. Sie können sich nicht mehr optimal zurückziehen und setzen somit den Belag und die Scheibe einer ständigen Überhitzung aus. Eine höhere Temperatur der Bremsflüssigkeit ist die Folge. Also alles Faktoren, die eine optimale Funktion des Bremssystems negativ beeinflussen.
Als Resümee ist damit festzuhalten, dass das gesamte System immer nur so gut funktioniert, wie sein schwächstes Glied. Nur sauber und in Flucht ausgerichtete Bremssättel, Scheiben und Beläge mit ausgeglichenem Wärmehaushalt sowie einer Bremsflüssigkeit, deren prozentualer Wassergehalt im Rahmen der Vorgabe des Herstellers bzw. der Spezifikation liegt, funktionieren und bieten ausreichend Sicherheit und Reserven. Wer dann noch ein Mehr an Stabilität mit leichter Bedienbarkeit haben möchte, der sollte sich und seiner Maschine eine hochwertige Bremspumpe und Bremssättel gönnen. Erst wenn man den spürbaren Unterschied einmal für sich hat erfahren dürfen, wird verstehen, warum man sich diese Komponenten zulegen sollte.
Als zusätzlicher Tipp: Wer bereit ist und noch Budget hat, dem empfehlen wir den Anbau von Bremsleitungen mit so genannten Schnellkupplungen. Diese erleichtern zum einem die Pflege der Bremszangen und zum anderen erleichtern sie den Ein- und Ausbau der Räder, ohne zum Beispiel die Lackierung zu beschädigen. Dies ist auch eine Investition, die man von Motorrad zu Motorrad mitnimmt – somit praktisch eine Anschaffung für das ganze Leben. Die Kupplungen sind leckage- und wartungsfrei. Ein wenig sauber halten genügt.
*Martensit ist ein ferromagnetisches, metastabiles Gefüge in Metallen, das diffusionslos und athemetisch durch eine kooperative Scherbewegung aus dem Ausgangsgefüge entsteht. Dabei muss das Material von der Temperatur einer Hochtemperaturphase unter die Gleichgewichtstemperatur zu einer Niedertemperaturphase abgekühlt werden.
Text
Thomas Nützl
TGP Racing
Fotos
Martin Spiecker | Brembo
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