Privatfahrer in der IDM – Nina Prinz im Interview
Im Motorsport war es schon immer so, dass neben den großen und bekannten Werksteams kleine Privatteams mit um die Plätze fuhren undfahren und teilweise beachtliche Erfolge verzeichnen. Ihre sportliche Leidenschaft finanzieren diese Fahrer meist aus privaten Mitteln sowie mit Hilfe einiger weniger Sponsoren. Wenn es gut läuft, können die nicht unerheblichen laufenden Kosten einer Saison gedeckt werden.
Doch nicht immer gelingt dies. Dem deutschen Motorradsportler Manfred Herweh beispielsweise, der lange Zeit als einer der besten Privatfahrer der Welt galt, fehlten schlicht die Sponsoren, um das nötige Geld für bestes Material aufzubringen, das ihm den realistischen Kampf um die Spitze erlaubte. Auch sein Privatvermögen war irgendwann aufgezehrt. Doch bleibt dies glücklicherweise wohl eher die Ausnahme, auch wenn selten ein Fahrer ausgenommen natürlich im MotoGP reich mit diesem Sport wird.
CIRCUIT sprach mit Nina Prinz über ihr Engagement in den IDM und ihre weiteren Zukunftspläne.
CIRCUIT: Nina, Du fährst heute für Yamaha Europe in der IDM. Seit wann bist Du aktiv im Motorradrennsport tätig?
Nina Prinz: Aktiv fahre ich seit 1995. In dem Jahr erreichte ich den 3. Platz in der Deutschen Pocket Bike Meisterschaft. Mehrere Jahre fuhr ich in dieser Klasse und erreichte fordere Plätze. So 1996 Platz 2, 1997 Platz S und 1998 wieder Platz 2. 1999 schaffte ich es erstmals auf Platz 1 in dieser Klasse und zugleich auf Platz 1 in der Deutschen Mini Bike Meisterschaft. Auf europäischer Ebene erreichte ich noch im selben Jahr den 4. Platz. Ein Jahr später, also 2000, fuhr ich erstmals beim ADAC Junior Cup mit und landete auf Platz 21. Im Rahmen der Baden Württembergischen Meisterschaft holte ich Platz 1. 2001 startete ich dann erstmals in der Supersport IDM mit einer originalen Honda. Im darauf folgenden Jahr stieg ich auf Yamaha um. 2004 schaffte ich mit dem TEAM 71 auf Yamaha den 12. Platz in der IDM Supersport. 2005 folgten ein 9. Platz sowie ein Sieg in der European Womans Championship Schleiz (EWC) sowie ein 16. Platz in der EM Supersport mit dem TEAM 71 auf Yamaha. 2006 war dann mein Einstieg in die Superbike IDM. Außerdem folgten zwei Rennen im European Women’s Cup. Hier wurde ich moralische Siegerin in Hengelo. In diesem wie auch im vergangenen Jahr wurde ich Europameisterin im European Women’s Cup Superstock 1.000 und in diesem Jahr 12. In der IDM Superbike.
CIRCUIT: Praktisch bist Du heute Werksfahrerin mit einen Team im Rücken. Warst Du in Deiner Anfangszeit als Privatfahrerin unterwegs?
Nina Prinz: Ja, Werksfahrerin bin ich seit dem vergangenen Jahr. Im letzten Jahr war ich auch im italienischen Y2K Ducati Frauenwerksteam unterwegs. In Italien bin ich in der dortigen Frauenmeisterschaft gefahren und habe wie bereits erwähnt zweimal den Women’s Cup gewonnen. In den ganzen Jahren davor startete ich als Privatfahrerin.
CIRCUIT Wir gehen davon aus, dass Yamaha Dir immer das aktuellste Material zur Verfügung stellt. Ist dies so?
Nina Prinz: Ja, ich habe über das Team immer sehr gutes Material bekommen und profitiere auch von den Weiterentwicklungen, so dass Reifen, Fahrwerk und Motor immer absolut stimmig sind. Überhaupt kann ich mich auf das Team verlassen. Dies ist vor allem für den Kopf enorm wichtig.
CIRCUIT: Wie sieht üblicherweise ein Vertrag aus, den Fahrerinnen und Fahrer mit japanischen Herstellern schließen gibt es klar definierte Erwartungen an Dich?
Nina Prinz: Natürlich gibt es klare Erwartungen. Für Yamaha hatten beispielsweise die Siege im European Women’s Cup höchste Priorität. Auch für mich war es toll, diese beiden Ziele zu erlangen, doch fahrerisch bringt mich natürlich die IDM weiter. Ich habe deshalb auf eine Teilnahme in dieser Klasse bestanden. Yamaha ist darauf eingegangen und wir haben den Jahresvertrag abgeschlossen.
CIRCUIT: Der Motorradrennsport ist ein hartes Business, in dem extreme Leistungen und Einsatzwillen erwartet werden. War dies schon immer so oder ist das Geschäft vor allem in den letzten Jahren härter geworden?
Nina Prinz: Ich denke, in gewisser Weise war dies schon immer so, nur haben sich die Bedingungen geändert. Heute wird beispielsweise wesentlich mehr Aufwand um diesen Sport betrieben.
CIRCUIT: Wie sehen Deine persönlichen Ziele im Motorradrennsport für die kommenden Jahre aus?
Nina Prinz: So wie in jedem Jahr. Ich möchte lernen, mich nie im Kreis zu drehen und weiter an mir zu arbeiten, um immer besser zu werden.
CIRCUIT: Bezogen auf die Zuscherzahlen führt der Motorradrennsport in Deutschland leider eher ein Mauerblümchendasein. Was müsste Deiner Meinung nach passieren, um mehr Menschen für diesen Sport zu begeistern?
Nina Prinz: Das ist eine gute Frage. Meiner Meinung nach wird schon viel getan, um den Sport in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber es ist und bleibt ein Sport, den nicht jeder betreiben kann. Vielleicht bleibt es deshalb vielen Menschen fern.
CIRCUIT:Tragen Persönlichkeiten wie der siebenfache Formel 1 Weltmeister Michael Schumacher sofern er im kommenden Jahr wieder auf zwei Rädern an den Start geht mit dazu bei, diesen Sport wieder etwas populärer zu machen?
Nina Prinz: Na klar, für den Motorradsport ist Michael auf jeden Fall gut. Am Anfang haben fast alle Medien noch geschrieben: “Schumi, pass auf Dich auf, das ist gefährlich!” Jetzt, wo er sich immer weiter steigert und die Kritiker sehen, dass der Sport oft bei weitem nicht so gefährlich ist wie er oft aussieht, ist sein Engagement für viele Menschen in Ordnung. IDM Rennen sind heute sehr gut organisiert. Und jeder, der sich auf Rennkursen bewegt, der weiß, dass es allemal ungefährlicher ist, sich dort “auszutoben”, als irgendeine riskante Passtraße in den Bergen entlang zu heißen und sich dort zu Tode zu fahren.
Der Artikel stammt aus:
CIRCUIT Heft 3.2008
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Matthias Fischer
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